Bei den meisten Menschen deckt sich die reale Welt mit dem Erleben in ihrer inneren Welt. Decken sich diese Welten nicht mehr, muß man nach einem neuen Weg suchen, um sie wieder zusammenzuführen.
Diesen Weg suchte der holländische Komponist Dick le Mair, als er nach privaten Entäuschungen an einem Scheidepunkt seines Lebens angelangt war. Durch Freunde wurde er auf den Jakobsweg aufmerksam. In ihm beginnt die Idee der musikalischen Umsetzung seiner eigenen Pilgerfahrt zu lodern.
Dick le Mair entschließt sich, den langen Marsch im Januar anzugehen, einer Zeit, in der erst wenige Pilger unterwegs sind, und er sich wirklich auf sich und seine Musik besinnen kann. Es ist sein Wunsch so allein wie nur möglich zu sein.
Auf den einzelnen Stationen seines Weges kommt es zu außergewöhnlichen Erlebnissen. Mitten in einer Landschaft entdeckt Le Mair auf einem Feld das Cruz de Hierro. Dieses Kreuz war lange Zeit ein Anlaufpunkt für Pilger gewesen, die einen Stein als Zeichen für ihre Laster und Fehler dabeihatten, um ihn hier symbolisch abzulegen. In dem Bergdorf O Cebreiro kann er in der kleinen Kapelle beim Kelch des Wunders, in dem sich vor Jahrhunderten während der hl. Kommunion Wein in Blut verwandelt haben soll, die Anwesenheit der Hoffnung aller Menschen förmlich spüren. Am Ziel in Santiago de Compostela angelangt, setzt sich Dick le Mair erschöpft, aber glücklich vor die große Kathedrale. Und hier kommt ihm dann die Idee: „Als ich dort saß und die Orgel aus der Kathedrale hörte, setzte sich in meinen Gedanken auf einmal wie von selbst alles zusammen. Mir wurde klar, daß diese alte Orgel der musikalische Schlußpunkt sein mußte. Die Percussion, das Orchester, der Gesang, die Melodien, alles hatte plötzlich den passenden Rahmen.“
Wieder in Holland unterbreitet er seiner Plattenfirma, für die er schon seine letzte CD produziert hatte, seine Idee. Man ist begeistert und lässt den Ausnahmekomponisten an die Arbeit gehen. Als nicht so einfach erweist sich jedoch die Aufnahme mit der Orgel in Santiago, doch nach vielen Telefonaten und Gesprächen erlaubt der Bischof schließlich, die Aufnahmen an einem Tag in der Kathedrale durchzuführen. Dies ist bisher einmalig, denn vor und nach Le Mair hat noch kein Künstler die Orgel aus dem 18. Jahrhundert aufnehmen dürfen. Ein Jahr später sind die gesamten Aufnahmen abgeschlossen und das Album Impressions of a pilgrimage erscheint in den Niederlanden.